IP Adresse in Formular & Datenschutz

  • Moin, ich habe da mal ne Frage. Wird mit der Nutzung des Formulars und beim Absenden die IP Adresse des Absenders mitgegeben?? Sofern ja, wäre da die Frage, wie man da Datenschutzrechlich mit umgehen muss. Und müsste man nicht grundsätzlich einen Datenschutztext unter ein Formular stellen? Und auch mit ankreuzen lassen?

    Kennst sich da evtl. jemand aus?


    LG

    Uli

  • Nein, die IP-Adresses des Browsers, der das Formular abgesendet hat, wird nicht in der von uns generierten E-Mail übermittelt.

  • Hallo Uli,


    ob hinsichtlich der IP-Adresse ein Hinweis in der Datenschutzerklärung aufgenommen werden muss, hängt von Deinem Hoster ab. Wenn dieser ein LOG führt, wonach er nach dem Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung verpflichtet ist, wird jeder Zugriff auf die Seite mit IP-Adresse, Datum + Zeitstempel sowie dem abgerufenen Inhalt gespeichert. Diese Speicherung verstößt aber nach EU-GH gegen EU-Recht. Da Du als Kunde keinen Einfluss darauf hast, ob sich Dein Hoster nach Deutscher oder Europäischer Regelung gesetzeskonform verhält, bleibt Dir nur eine Prüfung, ob LOG-Dateien erstellt werden. Im Normalfall werden diese im Root-Verzeichnis unter /LOGS abgelegt. Wenn Logs vorhanden sind, bleibt für uns als Webseitenbetreiber nur der Weg, durch Erklärung von Gründen aus der anlasslosen (und damit nach EU-Recht verbotenen) Speicherung der IP-Adressen eine sachlich begründete Notwendigkeit zu definieren, weshalb die IP-Adresse über einen begrenzten Zeitraum gespeichert werden muss. Eine der Begründungen wäre, dass zur Abwehr von Angriffen auf das Internetangebot eine Protokollierung notwendig ist.


    Die gesonderte Zustimmungserklärung unter das Formular "Mit Absenden bin ich mit der Speicherung und Verarbeitung der von mir eingegebenen Daten einverstanden" halte ich persönlich für einen Hype. Wer nicht damit einverstanden ist, dass seine Daten gespeichert werden, sollte keine Anfragen über ein Kontaktformular schicken, sondern dieses ausfüllen, ausdrucken und dann in den Schredder schieben. Wie so ein Irrsinn aussehen kann, habe ich mal unter http://www.hanabi-pirna.de/test.php aufgebaut.


    Wenn Du etwas ernsthafter an die Sache rangehen willst, kannst Du dich gerne an unserer Seite orientieren. Die dortige Datenschutzerklärung und weitere Erklärungen sind aber speziell auf unseren Verein angepasst und nur bedingt übertragbar. Außer "Abmahn-Sozietäten" wirst Du auch kaum einen Anwalt finden, der kompetent Auskunft geben kann. Auch der Datenschutzbeauftragte des Landes Sachsen schweigt auf die Anfrage, ob die in unserem Verein getroffenen Regelungen zum Datenschutz aus seiner Sicht gesetzeskonform sind.

  • Vielen Dank für die Ausführungen,

    das ist echter Irrsinn mit dem in Kürze in krafttretenden Datenschutzgesetz.

    Es wird auf jeden Fall spannend, was am Ende daraus gemacht wird.

    LG

    uli

  • Hallo Uli,


    der größte Teil gilt ja bereits jetzt schon über das BDSG. Was viel entscheidender ist, rein vom Gesetzestext ist das alles eigentlich für logisch denkende Menschen (also Leuten, die im Umgang mit dem Computer die Funktionsweise von Nullen und Einsen verstehen) verständlich umsetzbar. Was es uns so schwierig macht, ist der gegenwärtige Kardinalfehler im Gesetzeschreiben. Es wird nicht geprüft, ob das neu zu beschließende Gesetz mit bestehenden Regelungen kollidiert (Datenschutz vs. Vorratsspeicherung), und der Konflikt wird dann vor Gericht ausgetragen. Im Ergebnis gibt es dann 10 verschiedene Urteile von 10 verschiedenen Gerichten und der, der am lautesten brüllt, beherrscht dann die öffentliche Meinung.


    Bei allem Respekt und in Anerkenntnis der Unabhängigkeit der Richter muss man sich manchmal aber auch fragen, wie es mit der Lebenspraxis aussieht. Dazu folgende Simulation:


    Einkauf beim Fleischer um die Ecke (Stammkunde seit Jahren):


    vor einem Jahr:

    Ich: "Tag Frau Matthes, ich hätte gern ein Kilo Hack"

    Verkäuferin: "Gern Herr Meyer, wie immer mit Zwiebeln?"


    Heute:

    Ich: "Tag Frau Matthes, ich hätte gern ein Kilo Hack wie immer"

    Verkäuferin: "Sehr geehrter Besucher, wir haben über Sie keine Daten gespeichert. Wenn Sie künftig "wie immer" bedient werden wollen, lesen Sie bitte zunächst unsere 30-seitige Datenschutzerklärung und bestätigen mit Ihrer Unterschrift, dass Sie diese Erklärung verstanden haben. Bitte beachten Sie, dass Ihre Unterschrift durch Verwendung von Tinte dauerhaft auf dem Papier gespeichert ist. Weiter erlauben wir uns den Hinweis, dass Verkäuferinnen immer Tratschtanten sind, die gerne über Kunden lästern. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass auch Dritte, beispielsweise sogar der Kunde hinter Ihnen, von Ihrer Vorliebe für Hack mit Zwiebeln erfahren."


    Das Ganze kann man nur noch mit Sarkasmus nehmen und dem Motto: "Viel hilft viel". Ab einer gewissen Anzahl von Textzeilen sollen gerüchteweise auch Anwälte aufhören mit Lesen.

  • Hanabi Den Missstand hast Du sehr bildlich und nachvollziehbar dargestellt!


    Leider scheint der Gesetzgeber nicht in der Lage zu sein, solche "Unstimmigkeiten" zu beseitigen, damit Seitenbetreiber nicht in eine solche Lage geraten. 😖

    Beste Grüße
    Jörg




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